Mehr Aufmerksamkeit für den 650-jährigen Leinakanal

Mehr Aufmerksamkeit für den 650-jährigen Leinakanal

Ereignisreiche Weltwassertagwoche im Gothaer Land

Von Wolfgang Möller

Gotha/Tambach-Dietharz. „Gotha wäre nicht so groß geworden, wenn es den Leinakanal nicht gegeben hätte“ sagte Janette Richter vor rund 20 Teilnehmern der Seniorenakademie am 21. März 2019 im Gothaer Schlosspark. Sie sprach’s aus berufenem Munde, denn die studierte Agraringenieurin war viele Jahre beim Gartenamt tätig. Seit Gründung des Gewässerunterhaltungsverbandes Flößgraben-Leina (GUV) im Jahr 2011 ist sie dort als Betriebsleiterin für die Erhaltung und Sanierung der wichtigsten Fließgewässer 2. Ordnung im Landkreis Gotha zuständig. „Nicht nur die Wasserkunst als Touristenmagnet, sondern der ganze Leinakanal hat heute mehr Aufmerksamkeit verdient“ setzte Janette Richter fort.

Dieses Anliegen hat sich der Freundeskreis Leinakanal seit 25 Jahren auf seine Vereinsfahne geschrieben. Und dies besonders 2019 zum 650. Baujubiläum des kleinen, mittelalterlichen Kunstgrabens – dem (ur)alten Schlingel. Die ganze vergangene Woche stand im Zeichen des Weltwassertages am 22. März. Montag bis Freitag führten die Schlingelfreunde Uwe Heustock, Siegfried Stech, Helmut Wettengl und Jürgen Becker täglich jeweils zwei Gruppen der Seniorenakademie im Park, an der Wasserkunst und im Lucas-Cranach-Haus. Sie machten die Teilnehmer mit der Geschichte, den technischen Details und den Besonderheiten des Kanals vertraut, der immer noch die Parkteiche füllt und die Wasserkunst betreibt.

Am Freitagabend lud Hans-Georg Spanknebel vom Verein zur Förderung des Archivs zur Geschichte der deutschen Wasserwirtschaft ins Bürgerhaus Tambach-Dietharz zum traditionellen wasserhistorischen Vortrag ein. Der ehemalige Forschungsleiter für Hydrologische Gefahren bei der Münchener Rück Wolfgang Kron stellte weltweit gesammelte Erkenntnisse zum Thema Wassergefahren vor und ging der Frage nach, wie das Hochwasserrisiko reduziert werden kann. Unter den Zuhörern befanden sich Experten vom Fach, wie der Leiter des Deutschen Versicherungsmuseums E. W. Arnoldi Horst Gröner und der Erfurter Umwelthistoriker Mathias Deutsch.

Unter dem Thema „Überschwemmungen in Deutschland: Risiko und Vorsorge“ zeigte Kron Beispiele von Sturm- und Sturzfluten sowie Flussüberschwemmungen. Die Tendenz zu Starkniederschlägen ist steigend und durch das hohe Schadenspotential in unseren Städten und Dörfern steigt auch das Risko für die Einwohner. Die Risikoreduktion ist nicht nur durch technischen Hochwasserschutz zu erreichen, sondern auch mit anderen Vorsorgemaßnahmen, wie beispielsweise dem Objektschutz oder einer Elementarversicherung. „Meine Hauptaufgabe war immer die Risikobewusstseinsbildung“, um die Betroffenen zu mehr Eigenvorsorge anzuregen, betonte der Referent mehrfach.

Vereinsvorsitzender der Schlingelfreunde Jürgen Becker (auf dem Abschlagbauwerk zum Kleinen Parkteich sitzend) und Janette Richter (4. von rechts) unterrichten die Mitglieder der Seniorenakademie über den Leinakanalverlauf im Schlosspark. Foto: Wolfgang Möller
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