Jahresversammlung 2007

Jahresversammlung 2007

von Wolfgang Möller, Bilder: Carmen Möller

Nicht nur in Erinnerungen schwelgen – Leinakanal-Freunde inzwischen 10 Jahre aktiv

„Es wird Zeit, dass wir ein Buch über den Leinakanal schreiben.“ Wasserbauingenieur Hartmut Kraußer aus Ohrdruf hatte schon vor zehn Jahren diesen Plan. Nach der Jahreshauptversammlung am Donnerstag in der „Thüringer Aue“ Leina, der Traditionsgaststätte des Freundeskreises Leinakanal, sprach er den Vereinschef Wolfgang Möller darauf hin an. Für Möller kam dieser Vorschlag gerade recht, denn im Arbeitsplan 2008 fehlt noch so ein richtiger „Knaller“. Gäste aus den Anliegergemeinden und vom Landratsamt bekundeten ihre Wertschätzung und setzten auf Gemeinsamkeiten.

Im Tätigkeitsbericht wurde nicht nur das zu Ende gehende Jahr, sondern auch die erfolgreiche Arbeit des vergangenen Jahrzehnts eingeschätzt. Ein kleiner Kreis von regionalgeschichtlichen Enthusiasten gründeten im Dezember 1997 in der „Aue“ fast auf den Tag genau den Urania-Arbeitskreis Leinakanal. Ihr Motto lautete: „Eine Lobby für den uralten Schlingel“. Seitdem ist er zu einer mehr als 20-köpfigen verschworenen Gemeinschaft zusammengewachsen. Gegenstand der Neugierde und des Forscherdrangs ist das Gewässersystem mit dem mittelalterlichen Leinakanal, dem Flößgraben, dem Aquädukt, der Wasserkunst und anderen wassertechnischen Bauwerken sowie mit den damit im Zusammenhang stehenden Ereignissen.

Im Mittelpunkt stehen die Veranstaltungen der Stadt und des Landkreises Gotha, wo der Leinakanal mit den unterschiedlichsten Aspekten eingebunden wird. Die Publikationen in der Presse, Führungen bei Wanderungen und im Lucas-Cranach-Haus, Vorträge, Präsentationen, Arbeitseinsätze und Exkursionen sind die gebräuchlichsten Methoden bei den verschiedenen Projekten. Höhepunkte des Jahres sind stets Himmelfahrt am Aquädukt, das Gothardusfest, der Weltumwelttag, die Hugo-Mairich-Ehrung, der Tag des offenen Denkmals und der Jahresabschluss in der „Aue“.

Viele Termine sind mit vereinsübergreifenden Aktivitäten verbunden. So werden Kontakte mit Partnern und Sympathisanten in Ämtern und Unternehmen, mit Universitäten und Instituten, mit der Deutschen Wasserhistorischen Gesellschaft, mit der Frontinus-Gesellschaft, mit dem Gothaer Altstadtverein, mit den Naturfreunden Deutschland und mit anderen gepflegt. Die „Knaller“ der letzten zehn Jahre waren u.a.: vier Broschüren, die Leinakanalausstellung, eine Diplomarbeit, zwei Kolloquien, der Internetauftritt, ein Fernseh-Werbespot plus DVD, die Hugo-Mairich-Büste und das Schauschwemmen.

Doch es herrscht nicht immer eitel Sonnenschein an den Schlingel-Ufern. Vor der Versammlung gab es einen Standort-Termin am sanierungsbedürftigen Aquädukt, dem Sorgenkind Nummer eins. Leinatal-Bürgermeister Klaus Jänsch berichtete vom katastrophalen Zustand an einigen Kanal-Abschnitten durch starken Baumwuchs, mangelhafte Uferbefestigung und Schäden nach dem Sturm „Kyrill“. Im Ergebnis einer Gewässerschau will er gemeinsam mit der Stadt Gotha und dem Thüringer Landwirtschaftsministerium Abhilfe schaffen. Ähnliche Probleme bestehen am Leinakanal in Höhe der ehemaligen Leinamühle in Gotha. Sascha Cramer vom Büro Kraußer Ingenieure machte Vorschläge, wie der außergewöhnliche große Höhensprung der ehemaligen Radkammer zu sanieren und für die Wasserkraftnutzung auszubauen wäre.

Fazit der Veranstaltung: Das ehrenamtliche Engagement aller Mitglieder sowie der kameradschaftliche Umgang und ein geselliges Vereinsleben sind das Geheimnis der erfolgreichen Arbeit. In diesem Freundeskreis kommen solche Merkmale wie Ideenreichtum und Eigenverantwortung besonders gut zum Tragen. Der uralte Schlingel hat eine Lobby bekommen! Und es gibt Stoff genug für ein Buch, um das faszinierenden künstlichen Fließgewässersystem weiter bekannt zu machen und zu erhalten.

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