Ist die Wiederbelebung der Brennholz-Schwemme möglich?

Ist die Wiederbelebung der Brennholz-Schwemme möglich?

von Horst-Dieter Ritz

(Herrenhof). Der Freundeskreis Leinakanal hatte am 17. April 2007 eingeladen. Vor Ort sollte die Frage beantwortet werden, wie der Transport von Brennholz auf dem Leinakanal und dem Flößgraben funktionierte und wie man diese Tradition wiederbeleben kann. Der Leinakanal diente über Jahrhunderte der Bereitstellung von Trink-, Brauch- und Löschwasser sowie als Antriebskraft für Mühlen. Mit der Verstärkung durch den Flößgraben wurde er auch zum Transportweg für Holz. Aus Überlieferungen ist bekannt, dass Scheitholz von ca. 80 cm Länge auf dem Wasserweg aus dem Thüringer Wald nach Gotha gebracht wurde.

Herr Seeber und Frau Rudolph sind als Vertreter der Verwaltungsgemeinschaft Apfelstädtaue Partner des Freundeskreises Leinakanal. Foto: H-D. Ritz

Mit dem Bau der Thüringer Bahn Mitte des vorigen Jahrhunderts und dem damit verbundenen Einschnitt in den Memelberg zwischen Sundhausen und Leina wurde der Leinakanal nachhaltig unterbrochen. 1845 wurde die Holzflößerei eingestellt. Mit dem Bau des Aquädukts bei Sundhausen stand fest, dass das Ende der Holzversorgung Gothas auf dem Wasserweg für immer besiegelt war.

Obwohl sogar das 1991 geschaffene Wappen des Landkreises Gotha ein stilisiertes Abbild des Leinakanals in der Form einer silbernen Wellenlinie enthält, droht dieses historisch so bedeutsame künstliche Fließgewässer in Vergessenheit zu geraten. Um dies zu verhindern und gleichzeitig die Gothaer Region über ihre Grenzen hinaus bekannter zu machen, sucht der Freundeskreis Leinakanal Partner, um dem (ur)alten Schlingel mehr Öffentlichkeit zu verschaffen.

In Herrenhof trafen sich aus diesem Grunde Vertreter der Verwaltungsgemeinschaft Apfelstädtaue, der Gemeinde Herrenhof und Mitglieder des Freundeskreises Leinakanal e.V., um die Wiederbelebung der Holzschwemme einzuleiten. Es galt zu klären, ob der Zustand des Flößgrabens die Schwemme zulässt und ob diese aus Marketingsicht genutzt werden kann.

Ein Versuch brachte den Beweis. Ein paar Stücke Scheitholz wurden in Herrenhof an der Brücke am Friedhof in den Flößgraben eingeworfen und nach reichlich 30 Minuten oberhalb von Hohenkirchen wieder entnommen. Kein Hindernis verwehrte dem Treibgut den Weg. Ein Erfolg, der nicht zuletzt auf die Pflege und Erhaltung des Flößgrabens durch die Gemeinden Herrenhof und Hohenkirchen zurückzuführen ist. Der Rad- und Wanderweg, der den Flößgraben in dieser Region über mehr als drei Kilometer begleitet, bietet eine hervorragende Möglichkeit, die Natur zu genießen und das Leinakanalsystem ins rechte Licht zu rücken.

Die übereinstimmende Meinung lautet, dass die Holzschwemme auch heute noch technisch möglich ist und es sich lohnt, diese historische Tradition wiederzubeleben. Der Wanderverein Herrenhof und der Freundeskreis Leinakanal haben vereinbart, nunmehr ein Konzept zu erarbeiten und gemeinsam mit der Verwaltungsgemeinschaft Apfelstädtaue mit Leben zu erfüllen.

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