Hugo-Mairich-Ehrung in der Pumpstation zur Wasserkunst

Hugo-Mairich-Ehrung in der Pumpstation zur Wasserkunst

Gotha. (tlz/ole) „Hugo Mairich fec (lat.: ,hat es gemacht‘) 1888“ lautet eine Inschrift im Sandstein des Löwenbrunnens am oberen Hauptmarkt in Gotha. Der geniale Tiefbauingenieur Mairich (1863-1902) hat noch mehr gemacht, als die Pflasterung des Hauptmarktes, als die Gothaer Kanalisation und als die alte Tambacher Talsperre. Seine schönste städtebauliche Anlage ist wohl die Wasserkunst von 1895. Dort trafen sich am Sonntag acht Mitglieder des Freundeskreises Leinakanal, um den 146. Geburtstag von Hugo Mairich zu gedenken.

Helmut Wettengl, Wolfgang Möller und weitere Mitglieder des Freundeskreises Leinakanal ehrten den Wasserbauingenieur Hugo Mairich zu dessen 146. Geburtstag.

Die Mairich-Ehrung findet seit 2002, dem 100. Todestag Mairichs, statt und ist eine Gemeinschaftsaktion des Arbeits- bzw. Freundeskreises Leinakanal und des Gartenamtes bei der Stadtverwaltung Gotha. Auf dem Schlussstein der Wasserkunst findet eine Blumenschale immer ihren Platz. Diesmal legten die Schlingelfreunde ein Blumengebinde an der Büste des Geehrten in der Pumpstation des Lucas-Cranach-Hauses ab. Vereinsvorsitzender Wolfgang Möller ist überzeugt, „dass es im Sinne Mairichs wäre, wenn der Freundeskreis das Leinakanalsystem mit Aquädukt und Wasserkunst einer breiten Öffentlichkeit bekannt macht und sich für deren Erhaltung einsetzt“.

Die jüngste Errungenschaft ist ein Original-Bauplan der Wasserkunst, den Leinakanalfreund Helmut Wettengel von dem am Hauptmarkt ansässigen Enrico Bagdasarow erhalten hat („Entwurf zur Verschönerung des Schloßberges und zum Umbau der Friedrich-Jacobs-Str. Lageplan, Maßstab 1 : 200“), 1892. Eine Kopie des Dokuments kann in der Leinakanalausstellung im Keller des Lucas-Cranach-Hauses besichtigt werden. Außerdem wird es im Buch über den Leinakanal, das im Herbst diesen Jahres erscheint, zu sehen sein.

Mairich wurde am 12. Juli 1863 in Weißenfels geboren, interessanterweise im gleichen Ort, wo auch der Erbauer des Leinakanals Landgraf Balthasar das Licht der Welt erblickte. Nach Maurerlehre, Polytechnikum und Ingenieurstudium war er seit 1882 bei der Stadtverwaltung Gotha als Bauaufseher im Büro für Kanalisation und Straßenpflasterung beschäftigt, 1889 zum Vorsteher dieses Büros berufen. Unter seiner Leitung erfolgten umfangreiche Kanalisations- und Straßenpflasterarbeiten in der Stadt Gotha. Anfang 1890 begann er mit den Projektierungsarbeiten zur Umgestaltung des Schlossberges sowie mit dem Bau der Wasserkunst und der Pumpstation.

Er war Mitglied des Verschönerungsvereins und projektierte kostenlos den Goldfischteich auf dem Galberg. 1890 erfolgte die Berufung zum Direktor des Wasserwerkes („Städtische Betriebsverwaltung für Wasserleitung und Kanalisation“). Das städtische Wasserwerk wurde 1873 gegründet und ging aus der „Aktiengesellschaft für die Wasserversorgung der Stadt Gotha“ hervor, welche Quellwasser vom Mittelwassergrund in einen Hochbehälter am Hirzberg und in einer geschlossenen Leitung nach Gotha führen ließ.

1894 verlieh ihm Herzog Ernst II. das Verdienstkreuz II. Klasse. Mairich war als Wasserleitungs- und Kanalisationstechniker über die Stadt- und Landesgrenzen hinaus bekannt, arbeitete an einer Vielzahl von preisgekrönten Wasserbauanlagen mit und erstellte Gutachten für wassertechnische Projekte. Er wirkte u.a. bei den Wasserversorgungseinrichtungen in Neustadt (Oberschlesien), Fulda, Ohrdruf und Waltershausen.

1895 fand die feierliche Einweihung der Wasserkunst nach dem vorherigen Abbruch der Bergmühle aus dem Jahre 1387 am Schlossberg statt. Im Keller des Lucas-Cranach-Hauses am oberen Hauptmarkt wurde eine Pump- und Turbinenanlage der Gothaer Firma Briegleb & Hansen zum Betreiben des Springbrunnens sowie zur Stromerzeugung installiert.

1897 veröffentlichte Mairich eine Denkschrift zur besseren Trinkwasserversorgung der Stadt Gotha durch den Bau eines Stauweihers. Bei der obersten preußischen Landeskulturbehörde galt er als ein hochangesehener Fachmann für den Bau von wassertechnischen Anlagen. Das herzogliche Staatsministerium genehmigte seinen Entwurf. 1897 erhielt der Stadtrat von Gotha seinen Talsperrenplan und bewilligte 1899 die finanziellen Mittel für den Bau des „Stauweihers“. Mairich erarbeitete ein Projekt mit allen notwendigen statischen Berechnungen für den Bau einer Talsperre im Thüringer Wald. 1902 – Hugo Mairich erlebte die Vollendung seines Bauwerks nicht mehr.

Er verunglückte am 21. Juli 1902 tödlich bei einem Verkehrsunfall auf der Landstraße zwischen Waltershausen und Laucha und wurde am 24. Juli in Gotha beigesetzt. 1902-1905 wurde die erste Trinkwassertalsperre im Thüringer Wald durch die Firma Windschild & Langelott aus Cossebaude gebaut. Am 7. Juli 1906 fand die feierliche Einweihung der von Hugo Mairich projektierten Gothaer Talsperre im Apfelstädtgrund bei Tambach-Dietharz statt.

„Hohe Begabung, klares Urteil, tiefgründige Fachkenntnis, erstaunliche Arbeitskraft und zuverlässiger lauterer Charakter haben den Verblichenen mit reichem Erfolg zum Wohle der Stadt wirken lassen“, heißt es im Nachruf der Stadt Gotha vom 22. Juli 1902. Fec – er hat es gemacht, wie der Lateiner sagt.

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