Am Landgraf-Carl-Kanal und dem Hafen in Bad Karlshafen

Am Landgraf-Carl-Kanal und dem Hafen in Bad Karlshafen

von Horst-Dieter Ritz

Mit zwei PKW führte uns die Reise auf der Autobahn schließlich nach Kassel. Dort nahmen wir Dr. Klaus Röttcher auf, der als Hobby die Geschichte des Landgraf-Carl-Kanals erforscht.

Kartenskizze: Günter Rennau

Landgraf Carl von Hessen-Kassel, der von 1677 bis 1730 regierte, plante eine Kanalverbindung zwischen Weser und Rhein, um den Nord-Süd-Schiffsverkehr durch sein Hoheitsgebiet zu leiten und das Stapelrecht der Stadt Münden (heute Hann. Münden) zu umgehen. Bis 1717 entstanden in Karlshafen das Hafenbecken, die Weserschleuse und der Kanal bis zur Diemel. Landgräfliche Soldaten machten die Diemel bis Stammen schiffbar. Obwohl eigentlich nur die Strecke zwischen Stammen und Hümmen, die 1723 fertiggestellt und in Betrieb genommen wurde, als Kanal zu betrachten ist, nennen wir heute den gesamten Bereich von Bad Karlshafen bis Hümme ‚Landgraf-Carl-Kanal‘. Schon 1727 wurde die Schifffahrt wieder eingestellt, und die Bauarbeiten endeten 1729 am Schöneberg. Die Kanalverbindung zum Rhein blieb ein kühner Traum.

Aus heutiger Sicht erscheint unter Berücksichtigung der damaligen technischen Möglichkeiten eine Kanalverbindung utopisch. Dennoch kann diese Idee dem Landgrafen keineswegs so vorgekommen sein. Immerhin zeigten die Darstellungen des Mechanikers und Mathematikers Jacob Leubold, dass man glaubte, den Problemen gewachsen zu sein. Hinzu kamen ständig neue Erfindungen, wie z.B. die Doppelkammerschleuse, mit der möglicherweise die Wassernot bei der Überwindung der Wasserscheiden hätte behoben werden können.

Zwischen Hümmen und Stammen kann man in der Natur eine geradlinige Senke erkennen, die sich als ehemaliger Kanal erwies. Genau an dieser Stelle erklärt Dr. Röttcher an Hand der Karte den historischen Verlauf. Im Hintergrund ist die Geländesenke gut zu sehen.

Der geplante Schiffverkehr lässt bis heute viele Fragen offen. Sollte der Höhenunterschied durch Schleusen oder über Land überwunden werden? Hatten die Schleusen ein Tor, zwei Tore oder überhaupt kein Tor?

Ein Modell zeigt, wie die Kähne hätten aussehen können. Der Kahn hatte folgende Abmessungen: Länge 10 bis 12 Meter, in der oberen Bordkante 1,5 Meter, Tauchtiefe 0,60 Meter, Tragfähigkeit ca. 6 Tonnen. Er hatte einen flachen Boden, Bug und Heck waren hochgezogen und liefen mäßig spitz zu. Die Ladung wurde mit Planen (Persennige) abgedeckt. Der Steuerung diente wahrscheinlich ein Streichruder, das bei Fahrtwechsel umgesetzt wurde.

Aus touristischer Sicht war für uns Karlshafen mit seinem innerstädtischen Hafen der Höhepunkt der Exkursion. Soldaten hatten die Verbindung zur Diemel geschaffen, das Hafenbecken angelegt und über eine Schleuse die Verbindung zur Weser vollendet. Hier stehen wir an der Weser. Rechts im Hintergrund ist die Weserschleuse zu erkennen. Als der innerstädtische Hafen wegen Verlandung aufgegeben wurde, legten die Schiffen an der Weser an (links im Bild).

Dr. Röttcher erklärt den historischen Verlauf
Kahn
Die Freunde des Leinakanals

Auf dem Rückweg war unsere letzte Rast an dem Zusammenfluss von Werra und Fulda. Auf dem Weserstein ist zu lesen:

Wo Werra sich und Fulda küssen
Sie ihren Namen büßen müssen.
Und hier entsteht durch diesen Kuss
Deutsch bis zum Meer der Weser Fluss

Hann. Münden d. 31. Juli 1899

Weserstein
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