Ein Tag mit dem nassen Element

Ein Tag mit dem nassen Element

von Wolfgang Möller

Zentrale Veranstaltung zum Welttag des Wassers in Tambach-Dietharz

Wolfram Such (li.) und Hans-Georg Spanknebel (re.) erläutern den Besuchern zum Tag der offenen Tür den Aufbau des Wasserarchivs. Foto: Wolfgang Möller

Tambach-Dietharz. Professor Ludwig Bauer aus Halle hatte als junger Student den Leinakanal und den Flößgraben in den 1950er-Jahren mit dem Motorrad erkundet. Nun kehrte der Geograf und Nestor der Hydrologie in Thüringen an seine Sturm- und Drangstätte zurück. Damit folgte er der Einladung des Vereins zur Förderung des Archivs zur Geschichte der deutschen Wasserwirtschaft (FöV AGWA) am Dienstag in die Talsperrenstadt. Anlässlich des Welttages des Wassers standen die Vorstandssitzung, die Mitgliederversammlung, der Nachmittag der offenen Tür und ein Fachvortrag auf dem Programm. AGWA-Vereinsvorsitzender Hans-Georg Spanknebel aus Erfurt und FöGeWa-Stiftungsvorsitzender sowie Chef der Deutschen Wasserhistorischen Gesellschaft (DWhG) Wolfram Such aus St. Augustin bei Bonn konnten sich über die positive Resonanz von mehr als 60 Besuchern freuen.

Das ehemalige Verwaltungsgebäude der Thüringer Fernwasserversorgung am Fuße der Schmalwassertalsperre beherbergt mit dem „Wasserarchiv“ sowohl einen hoheitlichen Teil (Talsperren- und gewässerkundliche Akten aus Thüringen)als auch (seit 2008) eine private Abteilung, die durch den FöV AGWA verwaltet wird. Es ist deutschlandweit eine einmalige Dokumentations-, Forschungs- und Bildungseinrichtung für alle wasserwirtschaftlichen und wasserhistorischen Bereiche. „Neben den staatlichen Akten erfolgt nun auch die Aufbewahrung von Unterlagen der DWhG, von Nachlässen aus Privatarchiven und Sammlungen wasserwirtschaftlichen Inhalts, die sonst nirgends erfasst und eingeordnet worden wären“, betonte Hans-Georg Spanknebel.

Vorstandssitzung und Mitgliederversammlung beinhalteten u. a. die Öffentlichkeitsarbeit und den weitere Aufbau der Vereinsstruktur. Spanknebel zog Bilanz von der Vereinsgründung bis zum gegenwärtigen Stand des Wasserwirtschaftarchivs. Such ergänzte die aktuelle Entwicklung der Stiftung. Das von ihm eingebrachte Stiftungskapital in Höhe von 50 000 Euro hat sich durch Zustiftungen inzwischen auf 67 000 Euro erhöht. Schwerpunkte im vergangenen Jahr waren eine Vereinbarung mit der Stadt Tambach-Dietharz, die Netzwerkbildung mit Partnerinstitutionen sowie die Präsentation auf Messen und Fachtagungen mit Publikationen und im Internet. Der Aufbau einer Datenbank und die weitere Archivierung der Bestände werden vorangetrieben. Der Verein hat gegenwärtig 21 Mitglieder und pflegt Kontakte zu anderen Vereinen auf der Grundlage einer gegenseitigen kostenlosen Mitgliedschaft.

Gut besucht war die dritte Veranstaltung der „Tambach-Dietharzer wasserhistorischen Vorträge“ am Abend im Bürgersaal. „Der längste Tunnel der Antike“ hieß das Thema der Präsentaion des Darmstädter Wasserhistorikers Prof. Mathias Döring. Der Fernwassertunnel im Grenzgebiet zwischen Jordanien, Syrien und Israel, unweit der Golan-Höhen, aus dem 2.-3. Jahrhundert n. Chr. wurde von 2004 bis 2010 erforscht. Er ist mit einer Länge von 170 km, davon 106 km unterirdisch, ein Meisterwerk römischer Wasserbaukunst und steht den Leistungen heutiger Bautechnik in keiner Weise nach. Der Schlüssel zum unterirdischen Labyrinth waren für Döring und seine Studenten mehr als 100, zwischen 5 und 100 m lange schräge Bautunnel (Qanate), durch die sie in das System gelangten. Das Alter konnten sie aus dem mit Holzkohle vermischten Mörtel analysieren. Döring machte mehrere Abstecher in die verschiedenen Disziplinen des Wasserbaus. Somit war sein Vortrag ein Gewinn für alle Beteiligten, für die Geschichtsinteressierten ebenso, wie für die Wasser-Fachleute.

Referent Prof. Mathias Döring aus Darmstadt, Foto: Wolfgang Möller

Der Freundeskreis Leinakanal war am Welttag des Wassers in Tambach-Dietharz dabei. Mit der DWhG und mit dem FöV AGWA besteht nicht nur eine formelle gegenseitige Mitgliedschaft. Die „Schlingelfreunde“ gestalten auch Flyer und Poster sowie die Internetseite für den FöV AGWA (www.agwa-ev.de). Der 4. Wasserhistorische Vortrag soll sich im Herbst dieses Jahres dann den heimatlichen Gefilden widmen und den Motorradspuren von Professor Bauer nachspüren.

 

 

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