1. Schauschwemmen auf dem Flößgraben

1. Schauschwemmen auf dem Flößgraben

von Horst-Dieter Ritz

Am 09.09.2007 (Tag des offenen Denkmals) hat auf dem Flößgraben in Herrenhof und Hohenkirchen die Schwemme von Brennholz als touristisches Ereignis erfolgreich stattgefunden. Damit wurde der erste Schritt getan, um vielleicht eine Tradition einzuleiten und dem Leinakanalsystem eine Zukunft zu geben.

Lesen Sie die Berichte aus den Medien:

Bericht der Thüringer Allgemeine vom 10.09.2007, Lokal Gotha

Die Flößknechte von Herrenhof

HERRENHOF (cb). Holzscheite treiben im Wasser des Flößgrabens. Am Ufer wacht ein Flößknecht, falls sich ein Stück im Geäst verhakt. Eine Szene, die sich bis 1845 im Georgenthal häufig abgespielt hat. Damals wurde das Holzscheitflößen betrieben, um Brennholz aus dem Thüringer Wald nach Gotha zu transportieren. Gestern war es im Rahmen des Tags des offenen Denkmals nur als Schau gedacht.

Die Idee, an die historische Brennholzflößerei zu erinnern, stammt vom Freundeskreis Leinakanal. „Unser Ziel ist, das Leinakanalsystem, ein denkmalgeschütztes künstliches Fließgewässer , bekannt zu machen. Dadurch soll auch die Erhaltung und Pflege des Leinakanals gesichert werden“, erzählt Horst-Dieter Ritz, stellvertretender Vorsitzender des Freundeskreises Leinakanal und selbst ernannter Schwemmdirektor. Seine Aufgabe war die Überwachung und Leitung des Holzscheitflößens. Die Arbeit erledigten dagegen seine Holz- und Flößknechte – dem historischen Vorbild getreu. Bevor die Holzscheite ins Wasser geworfen wurden, mussten die Knechte das Holz erst sägen, schälen und spalten. Auch Zuschauer haben mitgeholfen und die Axt geschwungen.

„Um genau zu sein, zeigen wir hier nicht das Flößen, sondern das Schwemmen von Holz“, erklärt Horst-Dieter Ritz. Die Länge des Holzes mache den Unterschied. Handelt es sich um kurze Stücke, etwa drei Fuß lang, spricht man vom Schwemmen. „Das ist in Deutschland eine Seltenheit. Insofern ist das hier eine echte Attraktion.“ Während damals das Holz bis nach Gotha geschwemmt wurde, haben die Flößknechte die Scheite bereits in Hohenkirchen wieder aus dem Wasser gefischt.

Was so professionell aussah, ist für den Schwemmdirektor und seine Knechte das erste Mal gewesen. Doch dabei wird es nicht bleiben. Nächstes Jahr soll es wieder ein Schauflößen geben.

Bericht der Thüringischen Landeszeitung vom 11.09.2007, Lokal Gotha

Grabensprung nach der Arbeit

Herrenhof. (tlz) Ihr Heizmaterial bekamen die Gothaer einst umweltschonend geliefert – auf dem Wasserweg. Das System des Leinakanals nutzten die Vorfahren, als Transportmöglichkeit, um Holzscheite vom Thüringer Wald nach Gotha zu befördern. Aber mit dem Bau der Eisenbahnlinie und des Aquädukts Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die Verbindung abgeschnitten. Doch die Holzschwemme ist nicht vergessen. Zum diesjährigen Tag des offenen Denkmals führte Leinakanal-Freunde und Herrenhöfer Flößerknechte die Holzschwemme erstmals wieder mit allen Riten vor, einschließlich Verlesen des Schwemmbefehls und Grabensprung.

Horst-Dieter Ritz, stellvertretender Vorsitzender des Freundeskreises Leinakanal, war in die Rolle des Flößdirektors geschlüpft. Er übernahm den förmlichen und theoretischen Teil. Die Arbeit mit Säge und Beil führten an der Krake Rüdiger Storch, Thomas Kramer, Andreas Kramer, Rüdiger Rudolph, Frank Posner, Berthold Krebs und Lothar Adler vor. „Wir haben Leute dafür ausgewählt, die den Umgang mit Holz und Säge verstehen“, sagt Roland Rudolph, Vorsitzender des Vereins der Herrenhöfer Natur- und Heimatfreunde. Die hatten die Holzschwemme in ihren internationalen Wandertag eingebettet.

Die Flößerknechte schnitten das Holz auf Maß – drei Fuß lang -, spalteten und schälten es, bevor sie die Scheite in den Flößgraben beförderten. Mit Haken sorgten sie für reibungslosen Transport. Früher wurden so etwa 30 Kilometer überbrückt. Zur Schwemme wurde das Holz in Hohenkirchen herausgefischt, gestapelt. Der Grabensprung beendete die Arbeit. Dann wiederholten die Flößer den ganzen Vorgang.

Die Schwemme – Ritz: „Vom Flößen spricht man bei Stämmen“ – sorgte am Denkmaltag für Zulauf. Die Heimatfreunde Herrenhof hatten ihren Wandertag mit dem Schauflößen verbunden. In Zukunft soll es das in dieser Kombination aber nicht geben. Roland Rudolph: „Das verläuft sich sonst.“ Aber das Schauflößen wie zu Herzogs Zeiten möchten die Leinakanalfreunde als jährlich wiederkehrende Veranstaltung etablieren. Ritz: Weil es auf den Leinakanal aufmerksam macht und dessen Erhalt dient.“

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