Mühlen am Leinakanal

Mühlen am Leinakanal

Schönau vor dem Walde

Obermühle

1369 1789 / 1960er Jahre, Getreidemühle

Untermühle

1369 / unbekannt, Getreidemühle


Emleben

Obermühle (Ratsmühle)

nach 1369 / 1960er Jahre, Getreidemühle mit 3 Mahlgängen, Ölmühle mit 6 Stampfern


Sundhausen

Sundhäuser Mühle

1372/1416 / 1950er Jahre, Getreidemühle mit 3 Mahlgängen und 2 Mahlgängen

Sundhäuser Mühle, Radkammer mit Wasserfall (1992)

Von der Sundhäuser Mühle wurde erstmals 1372 gesprochen. 1390 erwähnte eine Urkunde des Landgrafen Balthasar die Überlassung eines Bauplatzes zur Anlage einer Mühle an seinen Diener Dietmar Smede gegen einen ansehnlichen Zins. Zum Bau kam er zunächst offensichtlich noch nicht, denn 1416 verkauft jener Smede sein Mühlrecht und den Bauplatz an den Schreiber des Landgrafen Friedrich II., Urban von Kruthusen. Das Datum des Mühlenbaus ist unbekannt. Ihre Errichtung war allerdings erst durch den Bau des Leinakanals möglich geworden. 1922 schrieb der Geheime Baurat Doell, dass die Mühle noch besteht (Doell, A., 1922, S.15). Bis 1653 reichte das Wasser des Leinakanals nur für einen Mühlgang. Nachdem durch den Flößgraben die Wasserkraft verstärkt wurde, hatte sie 14 Fuß (1 Fuß = 0,287 m) Gefälle und konnte mit 2 Mahlgängen arbeiten. Im Jahre 1993 waren die Mühlengebäude nur noch Ruinen. Die neuen Eigentümer haben auf dem Grundstück ein Wohnhaus gebaut.


Gotha

Leinamühle

nach 1369 / um 1955, Getreidemühle mit 14 Fuß Gefälle und 2-3 Malgängen

Leinamühle, Vorderansicht, von der Reinhardsbrunner Straße (1996)
Leinamühle

Auch von der Leinamühle ist das Jahr der Erbauung nicht zu ermitteln. Es läßt sich allerdings im Zusammenhang mit der Genehmigungsurkunde für die Sundhäuser Mühle in den Zeitraum von 1369 bis 1390 einordnen. Teile der Mühle befinden sich noch heute am ehemaligen Standort in der Reinhardsbrunner Str.7 (Adressbuch von 1881/82 Reinhardsbrunner Str.1

Ihre Lage vor dem Sundhäuser Tor und nahe der Kreuzung Ülleber Straße – Leinakanal begründet den An- und Abtransport des Getreides und der erzeugten Produkte. Von allen Mühlen der Umgebung war sie mit 16 Fuß Gefälle die leistungsstärkste. 1536 wurde sie von Veit Den (Rudolphi, F., III.Teil, 2.Kap., 7.), einem Müller aus Remstädt, mit 2 Mahlgängen erwähnt. Im Stadtplan von 1730 wird sie mit 3 hintereinander stehenden Rädern vermerkt. 1765 ist die Leinamühle mit Baum- und Grasgarten, Teich und 1/2 Acker Land für 6500 Mfl versteigert worden. (Mfl = Meißnischer Florin : sächsische Währungseinheit)

Mit der Elektrifizierung Anfang des Jahrhunderts wurde die Leinamühle im Antrieb umgestellt bzw. der Antrieb wurde mit Strom kombiniert.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges spielte die Mühle eine wichtige Rolle für die Ernährung der Bürger, da man auch kleine Mengen Getreide zum Mahlen bringen konnte und damit Mehl für den täglichen Bedarf der Menschen und Kleie als Futtermittel für die Kleintierhaltung erhielt.

Massemühle

Daten unbekannt, Herstellung von Porzellanmasse für die Gothaer Manufaktur

Wehrsturz vom Leinakanal zum Dreikronengraben, ehemaliger Standort der Massemühle (1968), unten 1996

Der Standort kann nur vermutet werden. Im Grundriss der Residenzstadt Gotha von C.Spätzel aus dem Jahre 1868 befand sie sich zwischen der Kreuzung Ülleber Straße und Parkpavillon. Wann sie erbaut wurde und wie lange sie bestand, ist nicht bekannt. In dieser Mühle soll Porzellanerde gemahlen worden sein, denn in Gotha gab es eine namhafte Porzellanherstellung, deren Stücke gesuchte Objekte für Sammler wurden und im Schloss Friedenstein zu bewundern sind.

Bergmühle

1378 / 1895 (Abriss durch den Bau der Gothaer Wasserkunst), erste Getreidemühle in der befestigten Stadt mit 16 Fuß Gefälle und 2 Mahlgängen

Schloßberg mit Bergmühle (Ende des 19.Jahrhunderts)

Die Bergmühle war eine der bekanntesten Wassermühlen der Stadt Gotha. Sie wurde erstmals 1378 erwähnt und stand am oberen Hauptmarkt/Schloßberg.

Wahrscheinlich wurde sie unmittelbar nach der Einleitung des Leinakanalwassers im Jahre 1369 erbaut, denn bis dahin gab es keine Wassermühle in der ummauerten Stadt, und die Einwohner bedurften dringend einer Mühle. Für den Landgrafen stellte sie eine lukrative Einnahmequelle dar.

Die Bergmühle prägte über 500 Jahre den Gothaer Schloßberg und leistete den Bürgern gute Dienste. Da sie gegen Ende des 19.Jahrhunderts unansehnlich wurde und den Blick zum Schloß negativ beeinflußte, wurde sie 1895 von der Stadt gekauft und abgerissen. Nach den Plänen des Gothaer Ingenieurs Hugo Mairich und nach dem Vorbild der Kasseler Wilhelmshöhe ist an ihrer Stelle die Wasserkunst angelegt worden.

Der letzte Besitzer und Pächter der Bergmühle war bis zum Jahre 1894 Friedrich Sievert.

Ölmühle

vor 1369 / um 1945, anfangs Schleif- und Poliermühle, später Ölmühle mit 11 Fuß Gefälle und 2 Mahlgängen

Standort der Ölmühle, Gartenstraße 25 (1996)

Der Bau der Ölmühle wird nach 1369 vermutet, denn bis dahin gab es kein Wasser zum Antrieb eines Mühlrades. Das Überlaufwasser des schon 1253 angelegten Wallgrabens reichte dazu nicht aus. Erst 1369 floß das ablaufende Wasser des Leinakanals über den Stadtwall in einer Rinne durch die Stadtmauer in das Wiegwasser und konnte zum Antrieb einer Mühle genutzt werden. Zunächst diente sie als Schleif- und Poliermühle für Hieb- und Stichwaffen. Im Jahre 1587 nennt eine Vereinbarung des Rates der Stadt mit dem Nachbarn an der Stadtmauer den Standort der Mühle „Hinter St. Margarethen“. Heute trennt die Gartenstraße die Kirche und den Mühlenstandort.

Wann der Wechsel von der Schleifmühle zur Ölmühe erfolgte, ist nicht bekannt. Im Jahre 1920 wurde sie vom Müllermeister Umbreit modernisiert, erhielt einen Elektroanschluß und nahm nochmals einen wirtschaftlichen Aufschwung. Nach dem Zweiten Weltkrieg war sie nicht mehr in Betrieb. Bis zum Jahre 1990 war auf dem Grundstück der VEB Getreidewirtschaft angesiedelt. Danach waren dort u.a. Abteilungen des Arbeitsamtes untergebracht. In den letzten Jahren steht das Gebäude überwiegend leer.